Zwischen Überkonsum & Moral - Warum ich Fast Fashion den Rücken kehre
SLOW LIVING
Katharina Schrei
6/14/2026
Was ist Fast Fashion?
Fast Fashion ist mittlerweile kaum mehr wegzudenken - viele von uns haben bereits Fast Fashion gekauft oder tun dies nach wie vor. Als Fast Fashion bezeichnet man Mode, die auf Schnelllebigkeit und aktuelle Trends ausgelegt ist.
Die Kleidungsstücke werden häufig in Ländern mit niedrigen Produktionskosten hergestellt. Dadurch können sie zu sehr günstigen Preisen verkauft werden. Der Verkaufspreis steht dabei häufig in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Aufwand für Material und Produktion.
Die niedrigen Preise sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Produktion oft in Länder verlagert wird, in denen Löhne und Produktionskosten deutlich geringer sind als in Europa. Immer wieder werden in der Textilindustrie problematische Arbeitsbedingungen, unzureichende Entlohnung sowie Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte dokumentiert. Auch Kinderarbeit stellt weiterhin ein ernstes Problem dar.
Trotz der bekannten Kritikpunkte werden Marken wie Shein immer beliebter. Auf solchen Plattformen wird Kleidung teilweise zu so niedrigen Preisen angeboten, sodass eine Rücksendung kaum sinnvoll erscheint. Das kann eine Wegwerfmentalität begünstigen und zu der damit verbundenen Umweltbelastung sowie zum Überkonsum beitragen.
Der Wunsch, Kleidung möglichst günstig zu kaufen, ist durchaus nachvollziehbar. Gerade in Zeiten steigender Kosten können günstige Angebote für viele Menschen attraktiv oder sogar notwendig sein. Dennoch ist es wichtig, sich der Folgen bewusst zu sein und das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen.
Die Entwicklung meines Konsumverhaltens
Seit ich denken kann, habe ich eine Vorliebe für Mode. Ich liebe es, Outfits zusammenzustellen, die meinem Geschmack entsprechen und mich dadurch auszudrücken. Außerdem war das Shoppen immer schon eines meiner Hobbys. Bereits als Kind und Jugendliche habe ich mein Taschengeld hauptsächlich für neue Kleidung ausgegeben.
Erst in meinen frühen Zwanzigern begann ich, mein Konsumverhalten zu hinterfragen. Mein Kleiderschrank füllte sich immer weiter, doch zum Anziehen fand ich trotzdem immer weniger. Ich bemerkte, wie wenig Kleidung ich tatsächlich regelmäßig trug, in der ich mich wohlfühlte und die meinem persönlichen Geschmack entsprachen - und nicht einfach irgendeinem Trend. Mir wurde bewusst, wie viel Geld ich für Kleidungsstücke ausgab, die ungetragen in meinem Schrank hingen. Dafür gab es zahlreiche Gründe:
Beim Shoppen hatte ich jedes Mal das Gefühl, unbedingt etwas mitnehmen zu müssen - selbst dann, wenn ich eigentlich nichts fand, das mir wirklich gefiel oder perfekt passte. Ich kaufte einfach nur, um etwas gekauft zu haben.
Ich stand vor meinem vollen Kleiderschrank und hatte trotzdem das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben. Das löste in mir den Drang aus, noch mehr Kleidung zu kaufen. Das eigentliche Problem war jedoch, dass ich zwar viele schöne Einzelteile besaß, aber oft die passenden Basics fehlten, um daraus alltagstaugliche Outfits zusammenzustellen.
Ich habe verschiedene Stilrichtungen ausprobiert, um meinen persönlichen Style zu finden, und bin dabei auf vielen Kleidungsstücken sitzen geblieben, die ich nach dieser Phase nicht mehr getragen habe.
Ich kaufte Kleidung oft nur deshalb, weil sie - vor allem auf Social Media - im Trend war. Dabei hinterfragte ich selten, ob mir das Kleidungsstück überhaupt wirklich gefiel.
Ich habe jedes Kleidungsstück angenommen, das mir geschenkt wurde, auch wenn es nicht meinem Geschmack entsprach. Das schlechte Gewissen, etwas wegzugeben, mit dem mir jemand eine Freude machen wollte, war einfach zu groß.
Außerdem kaufte ich sehr impulsiv ein. Oft habe ich mich in ein Kleidungsstück regelrecht „schockverliebt“, nur um es am Ende kein einziges Mal zu tragen. Dadurch landeten häufig Teile in meinem Schrank, in denen ich mich schon in der Umkleidekabine nicht wohlgefühlt habe, die nicht richtig passten oder von denen ich wusste, dass ich nichts zum Kombinieren besaß. Meistens habe ich gar nicht lange darüber nachgedacht, sondern einfach gekauft.
Die Veränderung meines Konsumverhalten kam nicht von heute auf morgen, sondern war ein langsamer Prozess. In den letzten Jahren habe ich begonnen, nur noch die Kleidung zu behalten, die ich wirklich regelmäßig trage, die mir passt und in der ich mich wohlfühle. Den aussortierten Rest habe ich über Vinted verkauft oder gespendet. Teilweise habe ich Kleidung auch verschenkt oder umschneidern lassen. War ein Kleidungsstück kaputt und wirklich nicht mehr zu retten, wurde es entsorgt.
Auch das Kaufen von Kleidung wurde bewusster. Ich kaufte nicht mehr impulsiv, sondern überlegt. Ich machte mir Gedanken, ob ich das Kleidungsstück auch in ein paar Jahren noch tragen würde, ob ich mich wirklich wohl darin fühle und ob ich es mit den bereits vorhandenen Teilen in meinem Schrank kombinieren kann.
Für das Jahr 2026 habe ich mir zum Ziel gesetzt, keine Fast Fashion mehr zu kaufen, sondern meine Kleidung ausschließlich Second Hand oder in kleinen Boutiquen zu erwerben - ein Ziel, das ich bisher erfolgreich einhalten konnte. Ich bin deutlich wählerischer geworden, was Kleidung angeht. Dafür ist mein Kleiderschrank heute authentischer denn je.
Sowohl meine Mutter als auch meine Schwester sind ausgebildete Schneiderinnen. Dadurch habe ich einen guten Einblick, wie viel Mühe, Zeit und Aufwand in die Herstellung eines Kleidungsstückes fließen. Ich beschäftigte mich immer intensiver mit Themen wie Fast Fashion, Überkonsum, Umweltverschmutzung und Stilfindung. Auf diesem Weg entdeckte ich schließlich Slow Fashion - die Gegenbewegung zu Fast Fashion.
Was ist Slow Fashion?
Slow Fashion zeichnet sich durch folgende Faktoren aus:
Ein hohes Maß an Qualität und Langlebigkeit der Kleidung,
eine ethischere und fairere Produktion,
die Verwendung nachhaltigerer Materialien und
einen bewussteren Umgang mit Mode und Konsum.
Darüber hinaus bedeutet Slow Fashion, weniger Kleidung zu kaufen, Kleidungsstücke länger zu tragen, Second-Hand-Mode zu nutzen, sowie vorhandene Kleidung durch Reparaturen, Änderungen oder Upcycling weiterzuverwenden.
Tipps für einen nachhaltigeren Umgang mit Mode
Vinted nutzen
Obwohl Trends bei meiner Kleiderwahl heute keine zentrale Rolle mehr spielen, ist es mir dennoch wichtig, dass meine Kleidung modern und zeitgemäß aussieht. Deshalb kaufe ich den Großteil meiner Kleidung über Vinted. So kann ich weiterhin Kleidungsstücke meiner Lieblingsgeschäfte und -marken günstig erwerben und gleichzeit bereits vorhandenen Kleidungsstücken ein neues Leben schenken.
Stilfindung
Besonders hilfreich ist es, den eigenen Stil bereits gefunden zu haben. Dadurch kann man viele Kleidungsstücke von vornherein ausschließen, weil sie nicht zum eigenen Geschmack passen. Auch eine Farb- und Stilberatung kann dabei helfen, den persönlichen Stil besser kennenzulernen und Kleidung gezielter auszuwählen.
Capsule Wardrobe
Das Konzept der Capsule Wardrobe ist im Internet schon seit Längerem bekannt. Dabei geht es darum, eine Auswahl an Kleidungsstücken zu besitzen, die alle miteinander harmonieren und vielseitig kombiniert werden können. Dieser Grundgedanke gefällt mir sehr, weshalb ich versuche, hauptsächlich Kleidungsstücke zu kaufen, die sich mit mindestens zwei bis drei anderen Teilen aus meinem Schrank kombinieren lassen.
Zum Schluss
Das Fast-Fashion-Problem kann nicht allein durch Unternehmen oder die Politik gelöst werden. Auch wir Konsumenten tragen Verantwortung. Solange die Nachfrage nach möglichst günstiger Kleidung hoch bleibt, wird auch das Angebot weiter bestehen.
Es ist auch nicht immer möglich oder sinnvoll, vollständig auf Fast Fashion zu verzichten. Manche Kleidungsstücke möchte man lieber neu kaufen, beispielsweise Unterwäsche oder Bademode. Auch Geschenkgutscheine für Bekleidungsgeschäfte können Anlass sein, dass man neue Kleidung erwirbt.
Der Schlüssel liegt darin, bewusste Entscheidungen zu treffen. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, viel wichtiger ist es, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen und sich zu überlegen, ob ein Kleidungsstück wirklich benötigt und langfristig getragen wird. Allein damit kann bereits ein wichtiger Beitrag gegen Überkonsum geleistet werden.
