Was mir hilft, mit Veränderungen umzugehen
ESSAYS & GEDANKEN
Katharina Schrei
10/11/2026
"Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung."
Obwohl Veränderung etwas ganz Natürliches ist, haben wir oft Angst davor. Selbst wenn wir wochen-, monate- oder sogar jahrelang auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten, kann es uns schwerfallen, das Alte entgültig loszulassen und uns auf das Neue einzustellen.
Denn das Neue bedeutet gleichzeitig oft auch das Unbekannte. Es fordert uns heraus und konfrontiert uns mit Ängsten, Zweifeln und offenen Fragen. Das Vertraute scheint uns dabei häufig sicherer - einfach, weil wir wissen, was uns erwartet. Doch wer sich immer für den sicheren Weg entscheidet, verpasst womöglich die Chance, über sich hinauszuwachsen und sich weiterzuentwickeln.
Manchmal ist es gar nicht die Veränderung selbst, die uns am meisten fordert, sondern die Zeit unmittelbar davor – wenn wir wissen, dass sich bald etwas ändern wird, wir aber noch warten müssen und uns unseren Ängsten und Zweifeln stellen.
Dabei ist das Durchhalten oft schwieriger als gedacht. Für mich sind vor allem die Stunden und Tage vor dem entscheidenden Moment besonders herausfordernd. Am liebsten hätte ich es bereits hinter mir, stattdessen heißt es warten, aushalten und mich den unangenehmen Gefühlen stellen, die diese Zeit mit sich bringt.
Was mir dabei hilft, diese Phase möglichst gelassen und gefasst zu überstehen, möchte ich in diesem Beitrag teilen.
Positivität in den Vordergrund rücken
Sich auf die Gegenwart zu konzentrieren und die Aufgaben des Alltags Schritt für Schritt zu erledigen, ohne gedanklich ständig in die Zukunft abzuschweifen, ist sehr hilfreich, in der Umsetzung jedoch oft schwieriger als gedacht. Schließlich ist es ganz normal, sich Gedanken über die Zukunft zu machen.
Umso wichtiger ist es, den eigenen Fokus bewusst zu lenken. Anstatt sich immer wieder mit den möglichen negativen Szenarien zu beschäftigen, kann es helfen, sich auch die positiven Entwicklungen vor Augen zu führen. Eine weitere Möglichkeit ist, sich gedanklich in sein Zukunfts-Ich hineinzuversetzen und sich vorzustellen, wie es sich anfühlen wird, wenn man die Veränderung geschafft hat und in der neuen Situation angekommen ist: Bin ich erleichtert? Fühle ich mich mutig? Bin ich stolz? Welche Glücksgefühle empfinde ich? Was ist gut gelaufen? Wofür bin ich dankbar?
Indem wir unseren Blick bewusst auch auf das Positive richten, schaffen wir mehr Raum dafür. Das bedeutet nicht, dass Ängste, Zweifel und Sorgen plötzlich verschwinden müssen oder weniger berechtigt sind. Sie dürfen weiterhin da sein, ohne unsere gesamte Aufmerksamkeit einzunehmen. Während die unangenehmen Gefühle im Hintergrund bestehen dürfen, können Zuversicht und Vorfreude in den Vordergrund rücken.
Ablenkung
Ablenkung ist ebenfalls eine sehr effektive Methode für mich. Ich konzentriere mich auf meinen Alltag, tue Dinge, die mir guttun und Freude bereiten und finde Halt in meiner gewohnten Routine. Ich versuche dabei so gut es geht auf meine eigenen Bedürfnisse einzugehen und all meine Emotionen zuzulassen.
Ich treffe mich mit Freundinnen, bewege mich, gehe in der Natur spazieren, gönne mir Ruhe oder unternehme etwas Neues. So rückt die bevorstehende Veränderung vorerst in den Hintergrund, ohne dass sie komplett auszublenden.
Ablenkung kann somit helfen, Abstand zu gewinnen, die eigene mentale Kapazität zu schonen und Kraft für die bevorstehende Zeit zu tanken. Das gilt, solange sie nicht dazu dient, unangenehme Gedanken und Gefühle dauerhaft zu verdrängen.
Beschäftigt man sich überhaupt nicht mit der Veränderung, kann Ablenkung nämlich schnell zur Flucht werden. Denn was wir dauerhaft zu verdrängen versuchen, verschwindet nicht einfach. Oft holt es uns irgendwann wieder ein – manchmal sogar mit größerer Intensität. Hier geht es um Balance: sich bewusst Auszeiten von den eigenen Sorgen zu nehmen, ohne dabei den Kontakt zu den eigenen Gefühlen zu verlieren.
Schreiben, um Klarheit zu gewinnen
Bei großen Veränderungen kann es schwerfallen, Situationen objektiv zu betrachten, rational zu denken und einen klaren Kopf zu bewahren. Oft sind starke Emotionen im Spiel, die unsere Wahrnehmung beeinflussen und es uns erschweren, die Dinge aus einer gewissen Distanz zu betrachten.
Dieses Jahr durfte ich für mich lernen, dass es mir hilft, bestimmte Situationem und meine Gedanken dazu aufzuschreiben. Dadurch gelingt es mir, die Situation gedanklich zu ordnen, die Fakten von meinen Interpretationen zu trennen und meine Gefühle und Ängste besser zu verstehen. Diese Methode hilft mir auch bei Entscheidungen und bei der Stärkung meiner Intuition. Denn was im Kopf oft chaotisch und überwältigend erscheint, lässt sich auf Papier oft klarer und strukturierter betrachen. Auch hier gilt: Alle Emotionen dürfen wahrgenommen werden, haben ihren Platz und ihre Berechtigung, zu existieren.
Augen zu und durch?
Ein weiterer Grundsatz, der mir persönlich hilft, lautet: Zuerst handeln, später denken. Manchmal zerdenken wir Situationen so lange, wägen jedes mögliche Szenario ab und verlieren uns in unseren Zweifeln und stehen uns somit selbst im Weg.
In solchen Momenten hilft es, nicht länger auf den perfekten Zeitpunkt, die idealen Umstände oder das Gefühl absoluter Sicherheit zu warten, sondern ins Handeln zu kommen, nicht länger auf der Stelle zu treten und einfach anzufangen. Denn oft müssen wir nicht den gesamten Weg kennen, sondern lediglich den Mut aufbringen, den ersten Schritt zu machen.
