Die Menstruationsphase: Mit dem Körper statt gegen ihn
SLOW LIVING
Katharina Schrei
6/28/2026
Einleitung
Die Menstruationsphase ist für viele Frauen eine Zeit, in der sie sich alles andere als wohlfühlen. Beschwerden wie Unterleibsschmerzen, Kreislaufprobleme, Stimmungsschwankungen und Energietiefs erschweren den Alltag und versetzen uns für ungefähr eine Woche im Monat in einen Ausnahmezustand. Das Leben geht trotzdem weiter - man geht zur Arbeit, kümmert sich um die Familie, erledigt Verpflichtungen und funktioniert scheinbar so wie immer - obwohl einem vielleicht überhaupt nicht danach ist.
Oft wird einem das Gefühl vermittelt, dass man sich die körperliche Belastung nicht anmerken lassen sollte. Menstruationsprodukte werden mit der Botschaft vermarktet, dass man auch während der Periode wie gewohnt Sport treiben kann, ohne Angst vor dem Auslaufen haben zu müssen. Nach einem Tampon wird oft noch immer heimlich gefragt - fast schon im Flüsterton. So unauffällig wie möglich wird er anschließend auch mit auf die Toilette genommen.
Doch was passiert eigentlich, wenn wir aufhören, gegen diese natürliche Zyklusphase anzukämpfen, und sie stattdessen einfach annehmen? Was wäre, wenn wir unserem Körper genau das geben, was er in dieser Zeit braucht? Wenn wir den Druck loslassen, funktionieren zu müssen, obwohl es uns nicht gut geht, und stattdessen die Leistung unseres Körpers wertschätzen?
Die Menstruationsphase kurz erklärt
Die Menstruationsphase beginnt mit dem ersten Tag der Periode und markiert den Start eines neuen Zyklus. Die Menstruation dauert in der Regel zwischen 3-7 Tagen. Bleibt eine Schwangerschaft aus, sinken die Spiegel der Hormone Östrogen und Progesteron. Dadurch wird die zuvor aufgebaute Gebärmutterschleimhaut abgestoßen und ausgeschieden.
Menstruationsblut besteht aus Blut, Gewebe der Gebärmutterschleimhaut und Schleim. Wie stark die Blutung ausfällt und wie viel Blut verloren wird, ist von Frau zu Frau unterschiedlich - genauso wie die Beschwerden, die während der Periode auftreten. Unterleibsschmerzen und Krämpfe entstehen, weil sich die Gebärmutter zusammenzieht, um die Schleimhaut abzustoßen.
Durch den niedrigen Hormonspiegel fühlen sich viele Frauen während der Menstruation müder, empfindlicher oder weniger leistungsfähig. Weitere Beschwerden, die mir nur allzu gut bekannt sind, sind Übelkeit, Schwindel und Gliederschmerzen.
Ruhe, Rückzug, Reflexion
Während der Menstruationsphase ist es durchaus möglich, die Signale seines Körpers zu ignorieren und den Alltag wie gewohnt zu bewältigen. Auf Dauer kann das jedoch dazu führen, dass man sich noch erschöpfter fühlt oder Beschwerden intensiver wahrnimmt. Deshalb kann es hilfreich sein, in dieser Zeit bewusst einen Gang zurückzuschalten, den Körper ernst zu nehmen und sich - wenn möglich - mehr Ruhepausen einzuplanen.
Während der Menstruation ist oft jeder Tag anders. Vor allem in den ersten Tagen sind meine Beschwerden am stärksten. Je weiter meine Periode fortschreitet, desto besser geht es mir wieder. Deshalb versuche ich, flexibel zu bleiben und jeden Tag so anzunehmen, wie er kommt.
Anstatt mich unter Druck zu setzen, mich zu stressen oder aus Trotz immer weiterzumachen, versuche ich, nachsichtig und fürsorglich mit mir selbst umzugehen. Vielleicht habe ich dann kurzfristig ein schlechtes Gewissen, weil ich weniger leiste als sonst. Langfristig erhole ich mich dadurch jedoch schneller und komme früher wieder zu Kräften.
Tipps und Rituale
Fokus auf Gemütlichkeit: Statt lange To-Do-Listen abzuarbeiten, verbringe ich meine Zeit mit Dingen, die mir guttun. Das bedeutet für mich meist, einfach im Bett zu bleiben, eine Serie oder einen Film zu schauen, ein Buch zu lesen oder ein Nickerchen zu machen. In dieser Zeit stehen die Entspannung von Körper und Seele im Vordergrund.
Rückzug: In der Woche meiner Periode versuche ich, so wenig Termine wie möglich einzuplanen. Ich merke, dass ich in dieser Zeit das Bedürfnis habe, mich zurückzuziehen und soziale Situationen eher zu meiden. Ist das nicht möglich, versuche ich, den Tag so sanft wie möglich zu gestalten und bewusst für genügend Snacks und Ruhepausen zu sorgen.
Sanfte Bewegung: Um meinen Körper während der Menstruation nicht zusätzlich zu belasten oder zu stressen, setze ich auf sanfte Bewegung wie Yoga oder Dehnübungen. Sie helfen mir dabei, meinen Körper zu entspannen und Unterleibsschmerzen entgegenzuwirken.
Basics: Mehr Schlaf, intuitive Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und möglichst viel frische Luft rücken in dieser Zeit noch stärker in meinen Fokus.
Nährstoffe: Vor, während und nach meiner Periode nehme ich zusätzlich Magnesium ein. Es hilft mir dabei, meine Unterleibskrämpfe zu lindern und die Muskulatur allgemein zu entspannen. Da während der Menstruation Blut verloren geht, achte ich zusätzlich auf meinen Eisenhaushalt, da ich zu Eisenmangel neige.
Wärme: Ein warmes Bad, eine Wärmeflasche oder ein Wärmepflaster wirken für mich wohltuend und helfen dabei, Unterleibsschmerzen zu mindern.
Zyklustracker: Auf meinem Smartphone nutze ich eine Perioden-App, in der ich meinen Zyklus dokumentiere. Das hilft mir, den Überblick zu behalten und mich frühzeitig auf meine Periode einzustellen. So kann ich meine Woche entsprechend planen und rechtzeitig ausreichend Menstruationsprodukte besorgen.
Fazit
Lange Zeit habe ich meine Periode als Problemphase gesehen, vor allem aufgrund meiner starken Beschwerden. Seit sich meine Symptome jedoch eingependelt haben, versuche ich, mit meinem Körper zu kooperieren, anstatt gegen ihn zu arbeiten.
Ich betrachte diese Woche inzwischen als eine Art einprogrammierte Pause, in der mich mein Körper einlädt, bewusst zur Ruhe zu kommen und zu entschleunigen. Ich lerne, auf seine Signale zu hören, ihn zu beobachten und mein Tempo an seine Bedürfnisse anzupassen. So fällt es mir leichter, im Einklang mit meinem Körper zu bleiben.
Dabei geht es gar nicht um Perfektion - denn die ist ohnehin nicht erreichbar. Auch wenn der Körper eine Pause braucht, tut das Leben das nicht. Arbeit, Verpflichtungen und der Alltag gehen ganz normal weiter. Umso wichtiger ist es, dort, wo es möglich ist, gut für sich selbst zu sorgen und den eigenen Bedürfnissen Raum zu geben.
Quelle
Schenke, Petra: Kenne deinen Zyklus. Verlag Komplett-Media, 2021.
